Zwangsversteigerungsfragen

Zwangsversteigerungsfragen

#1 | Beitragvon ra-richter am 05.09.2013, 17:50

Hallo!

Wenn im Grundbuch eine vorrangige Grundschuld ohne Brief eingetragen ist, wie erfährt man denn, wie viel *tatsächlich* noch durch den Ersteigerer zu bezahlen wäre, also wie es mit der Tilgung aussieht? Steht dies in dem Gutachten drin oder hat man Auskunftsansprüche gegen Wenauchimmer? Kann man das auch vor der Einleitung der ZwV in Erfahrung bringen…?

Sind auch hohe Zinsen (18%) vorrangiger Eintragungen durch den Ersteigerer zu bedienen?

Kostet die ZwV den Schuldner auch etwas (was?) oder trägt die Kosten sämtlich der Betreibende (um sie sich aus dem Erlös wieder zu holen)?

Was passiert mit der Wohnungseinrichtung bei der Zwangsräumung des ehemaligen Eigentümers nach Ersteigerung? Kann man die einfach entsorgen oder muss man sie verwahren etc, wie bei einer normalen Zwangsräumung?

Vielen Dank für jeden Hinweis!!!
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Re: Zwangsversteigerungsfragen

#2 | Beitragvon RAKukowski am 05.09.2013, 18:59

Wenn die Grundschuld bestehen bleibt und daher vom Ersteigerer übernommen wird, ist sie grundsätzlich voll zu bezahlen. Der Übererlös für den schon getilgten Teil steht dem Eigentümer zu.

Bei den Zinsen ist es, wenn ich es richtig verstanden habe, so, dass die Zinsen vom Grundschuldgläubiger im Versteigerungsverfahren angemeldet werden müssen. Ansonsten trägt der Ersteigerer die Zinsen wohl nur vom Zeitpunkt des Zuschlags an bis zum Zeitpunkt der Tilgung der Grundschuld nach § 56 S. 2 ZVG:
http://www.rechtslupe.de/zivilrecht/die ... sen-339766

Für die Zwangsräumung gelten meines Wissens nach die allgemeinen Grundsätze, also dass der Gerichtsvollzieher das Mobiliar räumt und, soweit werthaltig, sichert und für die Kosten der Zwangsräumung versteigert oder, soweit wertlos, entsorgt.

Mit der "Berliner Räumung", die ja bis zur Mietrechtsreform bei einer Räumung nach einer Ersteigerung mangels Vermieterpfandrecht nicht möglich war, habe ich noch keine Erfahrungen. Ich hatte bisher auch keine Vermieter, die den Raum zum Einlagern gehabt hätten.
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Re: Zwangsversteigerungsfragen

#3 | Beitragvon Irene am 11.09.2013, 13:26

Die Zwangsräumung geht in diesem Fall genau so, wie jede andere Zwangsräumung aus einem Räumungstitel nach § 885 a ZPO.

Da die Aufbewahrungsfristen für die in der Wohnung befindlichen Gegenstände im Gesetz nicht klar definiert sind und es noch an Rechtsprechnung mangelt, machen wir immer Folgendes: ich übergebe dem Räumungsschuldner nach Wohnungsöffnung einen Brief, in dem er unter Fristsetzung aufgefordert wird, sämtliche Gegenstände aus der Wohnung zu entfernen. Nach Ablauf dieser Frist wird angedroht, diese Gegenstände zu vernichten.

Die Sache hat folgende Nachteile: die meisten Räumungsschuldner sind bei der Wohnungsöffnung nicht anwesend, die neue Anschrift ist selten bekannt. Und der Schuldner muss sich mit dem Gläubiger terminlich absprechen, damit der Gläubiger ihm Zutritt zu der Wohnung gewährt. Sonst kann der Schuldner ja die Sachen nicht rausholen.

Bei uns machen das jetzt mehrere Gerichtsvollzieher schon so, dass sie mit der Räumungsankündigung schon eine Frist für die Abholung der Sachen aus der Wohnung setzen. Nach Ablauf der Frist kann der Gläubiger den Kram über Sperrmüll entsorgen. Das ist jedenfalls die sicherere Methode.
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