Geschäftsgebühr bei einer Unfallangelegenheit?

Geschäftsgebühr bei einer Unfallangelegenheit?

#1 | Beitragvon Engel-07 am 04.06.2009, 12:48

Hallo meine Frage ist, kann ich eine 1,8 Geschäftsgebühr gegenüber der gegnerischen Versicherung in diesem Fall die Allianz eine 1,8 Geschäftsgebühr anstatt der 1,3 Geschäftsgebühr nehmen. Mein Arbeitgerber hat mir gerade ein Blatt hingelegt mit der "akzeptablen Regelung für die außergerichtliche Schadensregulierung", naja und da ist die Allianz mit 1,8 Geschäftsgebühr. Ist das noch aktuell? Kann mir jemand helfen??
Danke lg engel
Engel-07
 

Re: Geschäftsgebühr bei einer Unfallangelegenheit?

#2 | Beitragvon Anna Action am 04.06.2009, 13:24

je nach Lagerung des Falles nehme ich 1,8-2,00, ab und an kürzen die Versicherungen auf 1,5 bzw. 1,3, kommt bei vielen Versicherungen auch auf den Betrag der Schadensregulierung an und ob Schmerzensgeld mit drinnen ist, hab da auf der Arbeit so einen tollen Zettel von Huk glaub ich, da ist das z. b. gestaffelt bis 10000 € und ab 10000 € Regulierungswert. Ansetzen würde ich auf jeden Fall ne 1,8, kürzen können die ja wenn immer noch
Anna Action
 

Re: Geschäftsgebühr bei einer Unfallangelegenheit?

#3 | Beitragvon Engel-07 am 04.06.2009, 13:59

Ich danke dir für deine Antwort. Ich probiers einfach. Besten Dank
Engel-07
 

Re: Geschäftsgebühr bei einer Unfallangelegenheit?

#4 | Beitragvon Anna Action am 04.06.2009, 14:17

büdde schön, bin ja auch froh wenn ich mal meinen "Sempf" dazu geben kann. Berichte dann mal wieviel sie tatsächlich gezahlt hat
Anna Action
 

Re: Geschäftsgebühr bei einer Unfallangelegenheit?

#5 | Beitragvon Micsi11 am 04.06.2009, 17:41

Hallo,

ja Allianz zahlt ne 1,8 Geschäftsgebühr (ich schreib immer hin: analog vormaligem DAV-Abkommen). Die Staffelung ist 1,8 (ein Auftraggeber, unter EUR 10.000,00 materieller und immaterieller Schaden), 2,1 (1 Auftraggeber, über EUR 10.000,00), 2,4 (mehrere Auftraggeber unter EUR 10.000,00), 2,8 (mehrere Auftraggeber (über EUR 10.000,00).

Ich glaub wenigstens, die EUR 10.000,00 stimmen. Da bin ich mir nicht sicher. Aber die Erhöhungen bei drüber gelten nur dann, wenn du materiellen und immateriellen Schaden hast.
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Re: Geschäftsgebühr bei einer Unfallangelegenheit?

#6 | Beitragvon Lieselotte am 05.11.2009, 10:26

Hallo zusammen,

ich muß noch mal auf die obigen Beiträge zurückkommen. Wir haben ein Ehepaar vertreten, sie war Fahrerin des Fahrzeuges, er Fahrzeughalter. Die Ehefrau wurde bei dem Unfall verletzt. Wir haben Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche geltend gemacht. Ich habe dann eine 1,8-Gebühr abgerechnet. Allianz zahlte nur eine 1,3-Gebühr und teilte lapidar mit, daß die regulierte Gebühr mit dem Faktor 1,3 ausreichend und angemessen ist. Eine Erhöhung auf 1,8 wäre nicht begründet.

Ich hatte bei der Abrechnung schon darauf hingewiesen, daß neben Schadensersatzansprüchen auch Schmerzensgeld reguliert wurde und damit eine Erhöhung auf 1,8 gerechtfertigt ist.

Hat jemand eine Idee, mit welchen Argumenten ich die Allianz vielleicht doch noch zur Zahlung einer höheren Gebühr bewegen kann?

Danke schon mal im Voraus.

LG Lieselotte
Lieselotte
 

Re: Geschäftsgebühr bei einer Unfallangelegenheit?

#7 | Beitragvon Anna Action am 05.11.2009, 12:23

Hier mal Hilfestellungen für dich:

- Die Geltendmachung einer 1.8 Geschäftsgebühr in Verkehrsunfallsachen ist nach einer Entscheidung des AG Köln vom 08.06.2005 (AZ: 147 C 86/05)

- AG Lübeck v. 12.09.2005:
Bei durchschnittlichem Schwierigkeitsgrad und durchschnittlichem Aufwand für den bearbeitenden Rechtsanwalt ist die Regelgebühr von 1,3 anzusetzen.
Bei einer Überschreitung des Wiederbeschaffungswertes durch die Reparaturkosten und die Prüfung der damit verbundenen Rechtsfragen ist die anwaltliche
Tätigkeit als überdurchschnittlich zu qualifizieren und eine Gebühr von 1,8 nicht unangemessen.

- LG SAARBRÜCKEN 03.03.2005 14 O 458/04
Eine Geschäftsgebühr in Höhe von 1,8 ist dann angemessen, wenn der Rechtsanwalt eine Angelegenheit bearbeiten muss, bei der der geschädigte Architekt
durch einen Verkehrsunfall gehindert wurde, wegen wochenlanger 100 % Arbeitsunfähigkeit seine selbständige Tätigkeit auszuüben und dadurch ein
Verdienstausfall in Höhe von 40.000,-- Euro zu beklagen war.
Daran ändert auch nichts die Tatsache, dass der Kfz-Haftpflichtversicherer durch Anerkenntnis erklärt hat, dass er sämtliche materiellen und immateriellen
Schäden aus dem Unfall erstatten wird.

- AG GEMÜNDEN 18.10.2006 AZ: 10 C 74/06
Aus den Gründen: (...Der Schaden der Klägerin umfasst die im Zusammenhang der Schadensregulierung entstandenen Rechtsanwaltskosten.
Diese Kosten sind mit einer Gebühr von 1,8 nach dem RAVergütG zutreffend bemessen, weil die Angelegenheit angesichts des Regulierungsverhaltens der
hinter dem Beklagten stehenden Haftpflichtversicherung überdurchschnittlich umfangreich und überdurchschnittlich schwierig war und lediglich eine
1,5-Gebühr dies nicht hinreichend berücksichtigt...).

- AG KEMPTEN 01.02.2005 AZ: 13 C 450/04
Der Ansatz einer 1,8-Geschäftsgebühr für eine Unfallschadenabwicklung kann gerechtfertigt sein und ist jedenfalls nicht als unbillig gem. § 14 I S.4 RVG anzusehen, da eine Rechtsanwaltsgebühr bis zu 20% über der angemessenen Gebührenhöhe rechtlich nicht zu beanstanden ist.
Aus den Gründen: (...Nach dem Sachvortrag der Parteien hält das Gericht eine gegenüber der 1,3-fachen Mittelgebühr leicht erhöhte Geschäftsgebühr von
1,5 für angemessen. Begründete Anhaltspunkte dafür, dass die Rahmengebühr noch höher anzusetzen war, hat das Gericht allerdings nicht.
Trotz der Tatsache, dass der Gebührenansatz von 1,8 damit zu hoch bemessen war, kann dem Prozessbevollmächtigten der Klägerin in der Gesamtabwägung
aber keine unbillige Gebührenbestimmung im Sinne des § 14 I S.4 RVG vorgeworfen werden.Denn er ist mit dem von ihm gewählten Gebührenansatz
gegenüber der angemessenen Gebühr um lediglich 20% abgewichen...).

Hoffe das hilft Dir, evtl. halt eben noch mal auf § 14 RVG hinweisen
Anna Action
 


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